Konjunktur abwärts - Arbeitslosigkeit aufwärts: Keine Rettung für Spanien!
Die Industrie Europas droht in ein tiefes Konjunkturloch zu fallen und die Arbeitslosigkeit im Euroraum ist so hoch wie nie zuvor.
Insgesamt 17,4 Millionen Menschen hatten in den 17 Ländern mit der
gemeinsamen Währung im April keinen Job. Das entspricht einer
Arbeitslosenquote von 11 Prozent.
Am Freitag fielen die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die
Industrie sowohl im Euroraum als auch in Großbritannien auf den
tiefsten Stand seit drei Jahren. Von ihren historischen Tiefstständen
Anfang 2009, als Europa und die Weltwirtschaft von einer schweren
Rezession heimgesucht wurden, sind sie nicht mehr allzu weit
entfernt.
Auch die Industrie der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft China
durchläuft inzwischen eine spürbare Konjunkturdelle. Vom
US-Arbeitsmarkt kamen neue Hiobsbotschaften: Im Mai entstanden völlig
überraschend lediglich 69 000 neue Jobs. Das ist die geringste Zahl
neuer Stellen seit über einem Jahr.
Mit Sorge blicken Anleger weiter nach Spanien. Das Euro-Krisenland
ist infolge der Turbulenzen um die marode Großbank Bankia auf den
Märkten verstärkt unter Druck geraten. Die Risikoaufschläge auf die
Zinsen für spanische Staatsanleihen stiegen am Freitag auf ein
Rekordniveau.
Dennoch benötigt das Land nach Auffassung der Madrider Regierung
zur Abwendung eines Staatsbankrotts keine Rettungsaktion
der Europäischen Union. Die Staatsfinanzen seien gesichert, und das
Land werde die Finanzkrise überwinden, betonte Finanzminister
Cristóbal Montoro.
Beim Internationalen Währungsfonds (IWF) haben dagegen
mittlerweile laut einem Zeitungsbericht Diskussionen über einen
Rettungsplan für Spanien begonnen. Die Europa-Abteilung der
Washingtoner Institution stelle Überlegungen über einen Hilfskredit
an die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone an, schrieb das «Wall
Street Journal» am Donnerstag in ihrem Onlineangebot.
Demnach könne ein über drei Jahre laufender Kredit bis zu 300
Milliarden Euro umfassen. Das wäre weit mehr, als den Krisenstaaten
Griechenland, Irland und Portugal zusammen zur Verfügung gestellt
wird. Der Weltwährungsfonds wie auch der spanische
Wirtschaftsminister Luis de Guindos dementierten den Bericht.
Die Schuldenkrise fordert mittlerweile auch bei den Privatvermögen
ihren Tribut: Das Privatvermögen in Westeuropa ist nach einer Studie
der Beratungsgesellschaft Boston Consulting im vergangenen Jahr um
0,4 Prozent auf umgerechnet 33,5 Billionen US-Dollar (nach heutigem
Wechselkurs 25,5 Billionen Euro) geschrumpft. Weltweit dagegen
stiegen die Vermögen, wenn auch nicht mehr so schnell wie in den
Vorjahren.
Unterdessen hält die Flucht der Investoren in sichere
Anlagen an. Die durchschnittliche Rendite deutscher Staatsanleihen
sank erstmals unter ein Prozent. An der sogenannten Umlaufrendite
orientieren sich zum Teil Sparpläne von Banken sowie Kreditzinsen.
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Bild: BANG/Cover Media/Prisa/ABC/ElMundo / Text: dpa
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