Griechenland pleite? Europa und Spanien fürchten "ungeordnete Insolvenz"!
Viele Politiker und Experten schließen eine Pleite Griechenlands nicht mehr aus. Etliche halten einen Staatsbankrott des Schuldensünders inzwischen sogar für den einzig richtigen Weg.
Die Griechenland-Rettung nimmt immer
dramatischere Züge an. Dem hoch verschuldeten Euro-Land droht die
Staatspleite, sollte Athen mit dem Sparen nicht entscheidend
vorankommen und sich nicht mit den privaten Gläubigern auf einen
Schuldenschnitt einigen können. Doch was passiert, wenn die
Bemühungen tatsächlich scheitern? Wichtige Fragen und Antworten
zum Thema:
Wieso drängt die Zeit?
Griechenland braucht nach wie vor dringend Geld. Derzeit prüft die
«Troika» der internationalen Finanzkontrolleure von EU-Kommission,
Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds
(IWF) vor Ort die Bücher der griechischen Administration. Von ihrem
Urteil hängt ab, ob Athen die nächste Tranche aus dem ersten
Rettungspaket erhält und den Weg für das geplante neue
130-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm freigibt. Klappt dies nicht, ist
das Land Ende März pleite.
Was wäre so schlimm an einer Pleite Athens?
Insolvenzen kennt man normalerweise nur von Unternehmen, die nach
dem Gang zum Gericht in aller Regel einen Verwalter an die Seite
gestellt bekommen. Das geschieht beispielsweise in Deutschland nach
einem gesetzlich geregelten Verfahren. Im Idealfall gesundet das
Unternehmen dann und startet nach dem Insolvenzverfahren wieder
durch. Bei Staaten gibt es ein solches geregeltes Procedere nicht. Es
könnte also kein Insolvenzverwalter das Staatsvermögen unter den
Gläubigern aufteilen. Gleichwohl sind Staatspleiten auch in der
jüngsten Geschichte keine Seltenheit. Gefürchtet wird im Fall
Griechenland vor allem die «ungeordnete Insolvenz». Denn diese
könnten etliche Gläubiger Griechenlands wohl nicht verkraften.
Was bedeutet «ungeordnete Insolvenz» denn?
Angenommen, jemand hat Schulden in Höhe von 100 Euro. Steht
diese Person vor der Pleite, kann sie das Geld nicht komplett
zurückzahlen und bietet stattdessen beispielsweise 50 Euro an. Wenn
sich der Kreditgeber damit zufriedengibt, spricht man im
Allgemeinen von einem geordneten Zahlungsausfall. Verweigert der
Schuldner aber die Rückzahlung oder bleibt keine Zeit mehr für eine
Einigung, handelt es sich um eine - im Falle Griechenlands
gefürchtete - «ungeordnete Insolvenz».
Eine große Unbekannte sind in diesem Zusammenhang auch die
Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps
(CDS). Damit sichern sich Investoren gegen den Ausfall von Anleihen
ab. Das Problem: Der CDS-Markt ist weitgehend unreguliert - und viele
Investoren nutzen dieses Instrument nicht allein als Schutz, sondern
auch für Spekulationen. Niemand weiß, wie groß das Volumen solcher
Kontrakte ist und welche Risiken sich dahinter für das Finanzsystem
verstecken.
Was wird im «Falles des Falles» konkret in Griechenland befürchtet?
Eine Staatspleite würde das Land zunächst wohl noch tiefer ins
wirtschaftliche Chaos stürzen. Ein Austritt aus dem Euro wäre die
logische Konsequenz. Und die Einführung der alten Währung, der
Drachme, sofern technisch überhaupt möglich, dürfte
höchstwahrscheinlich wegen der mangelnden Wirtschaftskraft mit einer
hohen Abwertung einhergehen. Außerdem müsste das Land seine
Staatsausgaben angesichts mangelnder Kreditwürdigkeit drastisch
reduzieren. In den vergangenen Monaten geisterten verschiedene
«Horrorszenarien» durch die griechischen Medien: Von einem Run auf
die Banken, Sprit-Rationierung, Lohn-Kappung und
Medikamenten-Knappheit war schon die Rede.
Wären die Auswirkungen in Europa dagegen nicht überschaubar?
Viele Experten befürchten einen Domino-Effekt und damit
ein Übergreifen auf andere Staaten, wenn nicht gar einen Flächenbrand
wie nach dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst
2008. Auch wären viele Gläubiger auf einen abrupten und drastischen
Zahlungsausfall nicht vorbereitet - allen voran etliche Banken
in Europa, die griechische Anleihen in ihren Büchern haben. Viele
dieser Institute müssten diese abschreiben und würden wegen einer zu
dünnen Eigenkapitaldecke in Schieflage geraten.
Doch auch für andere hoch verschuldete Euro-Staaten ist das Risiko
in einem solchen Fall kaum kalkulierbar: Irland und Portugal mussten
schon nach der ersten Zuspitzung der Griechenland-Krise gerettet
werden. Danach weitete sich die Krise auch auf Italien und Spanien
aus. Zuletzt verlor die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich
ihre Top-Note in Sachen Kreditwürdigkeit bei der Ratingagentur
Standard & Poor's.
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Bild: / Text: dpa







