Angela Merkel und Wolfgang Schäuble stützen Jens Weidmann: Keine Anleihekäufe der Schuldenländer!
Seine harte Haltung hat Bundesbankpräsident Weidmann in der EZB weitgehend isoliert. In Berlin aber teilt die politische Spitze den Widerstand gegen Pläne, weitere Milliarden in Anleihen von Krisenstaaten zu pumpen.
Starke politische Rückendeckung für
Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Kampf gegen Anleihekäufe durch
die Europäische Zentralbank (EZB): Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) haben Weidmann
nach Informationen der «Bild»-Zeitung (Samstag) persönlich von einem
möglichen Rücktritt abgebracht und ihn ermutigt, seine Position
weiter zu vertreten.
Weidmanns Vorgänger Axel Weber und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark
hatten ihre Ämter im Streit um den Kurs der EZB niedergelegt. Die EZB
hat vor allem den Auftrag, die Inflation im Zaum zu halten und für
stabile Preise in den 17 Staaten mit dem Euro zu sorgen.
Weidmann wehrt sich vehement dagegen, dass die EZB weitere
Anleihen von Staaten wie Spanien und Italien kauft, um denen Luft in
der Euro-Schuldenkrise zu verschaffen. Nach seiner Überzeugung
verstößt die EZB gegen das vertragliche Verbot der Staatsfinanzierung
mit Hilfe der Notenpresse. Die Risiken solcher Käufe tragen letztlich
die nationalen Notenbanken und die Steuerzahler.
Mit dieser Haltung steht Weidmann im obersten Entscheidungsgremium
der EZB, dem Rat, ziemlich alleine da. Details des Programms werden
bei der nächsten EZB-Sitzung am kommenden Donnerstag erwartet.
«Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der mit seinen
kritischen Äußerungen für die Geldwertstabilität kämpft, hat meine
volle Unterstützung», sagte Unions-Fraktionsvize Michael Meister der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS). Die SPD äußerte in
der Zeitung ebenfalls Verständnis für Weidmanns Bedenken.
FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte dem «Focus»: «Vertrauen in
die Leistungsfähigkeit der Staaten und unsere gemeinsame Währung
entsteht durch möglichst nachhaltige Strukturreformen und nicht durch
möglichst große Schüsse aus den Geldkanonen.»
Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) sieht die drohende
Gefahr, «dass der größte Nettozahler Europas im Rat der EZB einfach
überstimmt wird», wie er der «Welt» (Montag) sagte.
Scharfe Kritik an Weidmann äußerte dagegen Grünen-Fraktionschef
Jürgen Trittin in der «FAS»: «Herr Weidmann ist dabei, Deutschland in
der EZB in die Isolation zu führen.» Aufgabe der EZB seien der Erhalt
und die Stabilität des Euro.
Auch bei europäischen Volkswirten findet Weidmanns Kritik am Kurs
der EZB nur wenige Unterstützer. Im EZB-Schattenrat, in dem führende
Ökonomen auf Initiative des «Handelsblatts» monatlich geldpolitische
Themen diskutieren, schlugen sich nur 2 von 13 Sitzungsteilnehmern
auf Weidmanns Seite: Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer und der
Münchner Anlagestratege der Allianz-Fondstochter Pimco, Andrew
Bosomworth. Das berichtet das «Handelsblatt» (Montag).
Die «Bild»-Zeitung hatte am Freitag berichtet, Deutschlands
oberster Währungshüter habe mit der Bundesbankspitze einen Rücktritt
erörtert. In Kreisen der Bundesbank hatte es dazu geheißen: «Derlei
Gespräche fanden nicht statt. Weidmann ist auch kein Typ für einen
Rücktritt.»
Das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen verteidigte
das geplante neue Programm zum Kauf von Staatsanleihen. Dieses sei
«besser konzipiert» als das alte, sagte Asmussen der «Märkische
Allgemeinen» (Potsdam/Samstag). Er räumte aber zugleich ein: «Wenn
die Bundesbank Bedenken hat, muss mir das zu denken geben.»
Die EZB will nach bisherigen Angaben nur dann aktiv werden, wenn
die betreffenden Staaten zuvor einen Hilfsantrag beim Euro-
Rettungsfonds EFSF/ESM gestellt haben. Zudem soll die EZB als
Gläubiger von Krisenländern nicht mehr bessergestellt werden als
Privatinvestoren. Die Notenbank will nur Anleihen mit kurzen
Laufzeiten kaufen.
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Bild: BANG/Cover Media/Prisa/ABC/ElMundo / Text: dpa
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