Spanien gegen deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS: "Wir brauchen keine Hilfe!"


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Maria Font 
- 22.01.2012

Spanien gegen deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS: "Wir brauchen keine Hilfe!"
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Für Leukämiepatienten ist sie oft die letzte Hoffnung: 28 000 Menschen hat die Deutsche Knochenmarkspenderdatei das Leben gerettet. Spanien will die Organisation nun mit einer Gesetzesänderung aus dem Land werfen.



Angefangen hat alles mit Hugo, einem todkranken Leukämie-Patienten aus Spanien. Um sein Leben zu retten, startete die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ihre erste große Kampagne auf der iberischen Halbinsel. Doch die Organisation wurde nicht mit offenen Armen empfangen. Nun will die spanische Regierung den Aufrufen der DKMS zu Knochenmarkspenden gar mit einer Gesetzesänderung einen Riegel vorschieben.

   Wie das Madrider Gesundheitsministerium mitteilte, soll die neue Regelung möglichst rasch verabschiedet werden. Der in Deutschland hoch angesehenen DKMS könnte ein zermürbender juristischer Streit drohen. Bei Knochenmarkspenden geht es nicht nur um Menschenleben - es geht auch um Macht und Geld. Gesetzlich festgelegt werden soll nun, dass für die Sammlung von Knochenmark- und Stammzellen-Spenden ausschließlich die spanischen Behörden zuständig sind. Zudem soll in
Spanien ein einheitliches, staatliches Register von potenziellen Knochenmarkspendern eingerichtet werden.

Vier Jahre ist es her, dass Ärzte bei Hugo Pérez Blutkrebs feststellten. Er bekam mehrere Chemotherapien, doch Mitte 2011 gaben seine Ärzte alle Hoffnung auf. Nur eine Stammzellspende hätte sein Leben retten können - doch weltweit fand sich kein passender Spender. Dann las der 35-Jährige von dem modernen System für Stammzellspenden in Deutschland und knüpfte den Kontakt zur DKMS.

Für zahlreiche Blutkrebs-Patienten weltweit sei Deutschland die letzte Hoffnung: Â«Nirgendwo sonst gibt es ein so professionelles System, um Leukämiekranken den passenden Spender für eine lebensrettende Stammzelltransplantation zu vermitteln», sagt Carlheinz Müller, Geschäftsführer des unabhängigen Zentralen Knochenmarkspender-Registers (ZKRD) in Ulm.

   Das liege daran, das hierzulande viele Organisationen die Werbetrommel rühren und so viele Menschen als Spender registriert seien wie nirgendwo sonst. Von den 19,1 Millionen Menschen, die in der internationalen Datenbank Bone Marrow Donors Worldwide erfasst sind, stammen 4,4 Millionen aus Deutschland. Fünf Prozent der Deutschen sind registriert - aber nur 0,2 Prozent der Spanier.

Die spanischen Behörden weisen die Kritik zurück. «
Spanien setzt auf die Spenden von Nabelschnurblut», sagt Gregorio Garrido, der Chef des medizinischen Dienstes bei der Nationalen Organisation für Transplantationen (ONT). Das sei effektiver, als mit erwachsenen Stammzell-Spendern zu arbeiten. «Die Bedürfnisse der spanischen Patienten, die eine Transplantation von Knochenmark oder Stammzellen brauchen, sind vollauf gedeckt», betont Garrido.

   Von einer «Gefahr für das gesamte spanische Transplantationsmodell» hatte der Leiter der Behörde, Rafael Matesanz, zuvor mit Blick auf die DKMS-Aktivitäten im Land sogar gesprochen. Schließlich gehöre
Spanien bei der Transplantation von Organen wie Niere, Leber oder Herz zu den führenden Ländern in der Welt.

Die deutschen Experten verweisen auf internationale Zahlen: «Im Jahr 2010 haben 4000 Deutsche für Patienten im Ausland Blutstammzellen gespendet, aber nur 320 deutsche Patienten waren auf eine Spende aus dem Ausland angewiesen», sagt Müller. Unterstützung bekommt die DKMS von der spanischen Patientenorganisation Pelones Peleones. Sie bezeichnet das System im eigenen Land als «veraltet» und «nicht funktional». Die Spendenkampagne solle unbedingt genehmigt werden - schon jetzt komme die Hälfte der in
Spanien benötigten Knochenmarkspenden aus Deutschland.

Die DKMS, die mit 2,6 Millionen registrierten Menschen die größte und mächtigste Knochenspenderdatei weltweit ist, versucht seit Jahren, auch im Ausland um Spender zu werben. «Jeder potenzielle Spender, den wir dort finden, erhöht die Überlebenschancen aller Leukämie-Patienten weltweit», sagt der Mitbegründer der Organisation, Gerhard Ehninger.

In den USA und in Polen ist die Tübinger Gesellschaft nach anfänglichen Problemen inzwischen aktiv, mit der Türkei gibt es eine Kooperation. In Frankreich scheiterte die DKMS allerdings am Widerstand der Behörden. «Denen geht es nur ums Geld», sagte die Chefin des französischen Registers für Knochenmarkspenden, Evelyne Marry, der Madrider Zeitung «El País». Sie spielte dabei auf die 50 Euro an, die es kostet, einen Spender auf seine Gewebemerkmale zu untersuchen. Die DKMS bittet die Spender traditionell, diese Kosten wenn möglich selbst zu übernehmen - Bedingung ist das aber nicht.

Im vergangenen Herbst startete die DKMS dann in
Spanien ihre vorerst letzte Aktion im Ausland - den Vorstoß, der nun zum Fall für Juristen geworden ist. Die DKMS fühlt sich im Recht. «Wir werden weitermachen», kündigte Ehninger an. Der 35-jährige Hugo Pérez, dem die DKMS in Spanien helfen wollte, kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Der Zeitung «El País» sagte er: «Das Wichtigste ist es, Leben zu retten und sich nicht hinter bürokratischen Vorschriften zu verstecken.»




Schlüsselwörter: Spanien Deutsche Regierung neue Deutschland Geld Ärzte 2011 Spanier Zeitung Euro dann DKMS Knochenmarkspende Leukämie
Bild: si / Text: dpa




Von: CANDY HEBERLEIN Schweiz
Am: 23.01.2012 um 22:09:37

«Das Wichtigste ist es, Leben zu retten und sich nicht hinter bürokratischen Vorschriften zu verstecken.» Das ist zu diesem Thema die einzige gültige Antwort. Wir können weltweit kaum jemals genügend freiwillige Spender von typisierten Blutstammzellen haben. Bis jetzt gibt es noch immer Patienten, für die kein kompatibler Spender gefunden wird.Alle Länder müssen diesen Mangel gemeinsam zu beheben versuchen. Seit 19 Jahren tue ich das auch in der Schweiz, die schliesslich nicht zu den "Drittweltländern" zählt.
Stiftung zur Förderung der Knochenmarktransplantation Schweiz







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