Porsche Macan: "Tiger auf dem Sprung!" Aber Mitsubishi greift ins Klo
Wichser, Stuhlgang, Scheißdreck - alles Autonamen. Unterschiedliche sprachliche Bedeutungen auf der weiten Welt lösen dieses Problem aus.
Für Autobauer ist die Namensfindung daher vermintes Gelände. Doch
Modellbezeichnungen sind ein wichtiger Teil ihrer Werbung.
Überzeugende neue Autos zu entwickeln, ist schon
schwierig genug. Doch oft ist es auch heikel, am Ende überzeugende
Namen für die Fahrzeuge zu finden. Welcher Kunde würde schon gerne
einen Wagen fahren, der Wichser, Stuhlgang oder Scheißdreck heißt?
Derartige Fehlgriffe sind auf den Straßen unterwegs - kein Scherz.
Ein solches Missgeschick wäre für den Stuttgarter Sportwagenbauer
Porsche ein Alptraum. Für die Premiumautos der Zuffenhausener ist das
Beste gerade gut genug - und dann ein Patzer bei der Namensgebung?
Undenkbar. Ihren jüngsten Spross haben die Schwaben Macan getauft -
das leitet sich vom indonesischen Wort für Tiger ab. «Der Macan ist
über die Assoziation Tiger geschmeidig, kraftvoll, faszinierend und
"auf dem Sprung"», sagte Marketing-Vorstand Bernhard Maier über die
neue Bezeichnung im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
Der Name des Macan wird schon bald tausendfach zu lesen sein,
bevor er 2013 in die Autohäuser kommt. Eine Zahlenkombination
verwendet Porsche aktuell nur beim Klassiker 911. Der Rest heißt:
Boxster, Cayman, Panamera, Cayenne und nun Macan.
Im Idealfall sollen Modellnamen Emotionen transportieren, Kunden
gewissermaßen wie über eine Brücke an das Auto heranführen und falls
alles rund läuft, werden die Namen sogar zur Marke. Der VW Golf ist
so ein Beispiel. Von der Golf-Klasse ist oft die Rede, gemeint ist
dann die Kompaktwagenklasse. So dominierend ist der Wolfsburger
Verkaufsschlager, der bis zu seinem Ende wohl nie anders heißen wird.
Doch beim Namen kann auch vieles schiefgehen. Ein Beispiel ist
Audis Modellreihe e-tron. Auf Französisch heißt étron Kothaufen oder
Stuhlgang. Eine solche Namensschöpfung scheint gewagt. Feinheiten wie
Bindestrich und accent aigu hin oder her: Es ist, pardon, anrüchig.
Dabei trennen Audi
und Frankreich ja nur wenige Hundert Kilometer.
Bei Japanern und Südamerikanern ist das schon anders, zwischen
ihnen liegt ein ganzer Ozean. Vielleicht ist das die Erklärung dafür,
dass Mitsubishi
ein Modell Pajero taufte. Im südamerikanischen Raum
rund um Chile und Argentinien bedeutet das Wichser. Die
vulgärsprachliche Bedeutung - «el pajero» - steht sogar in vielen
Wörterbüchern.
Eine südamerikanische Raubkatze - zoologische Bezeichnung «felis
pajero» - ist der Namensgeber, wie Mitsubishi mitteilt. Eigenschaften
dieser «geschmeidigen und anmutigen Wildkatze» seien dem Pajero zu
Recht zugeschrieben worden. Das Unternehmen rekonstruiert seinen
Faux-Pas wie folgt: «Eines hat Mitsubishi aber nicht bedacht: Pajero
ist zwar die zoologische Bezeichnung für eine Wildkatze, aber
ausgerechnet in der spanischen Vulgärsprache hat "pajero" eine nicht
wiederzugebende Bedeutung.» Jedoch muss Mitsubishi einräumen: «Zu
welcher Zeit das erkannt wurde, wissen wir leider nicht.»
Zwischenzeitlich gibt es Alternativen, in Spanien etwa «Montero»
(Berg-Jäger) und in Großbritannien «Shogun».
Und um noch einmal nach Fernost zu schauen: Toyotas MR2 ist eine
Abkürzung, die für Mittelmotor, Heckantrieb und Zweisitzer steht. Auf
Französisch buchstabiert, klingt MR2 aber wie «merde» - und hat sich
somit im wahrsten Sinne des Wortes in den Fluch «Scheißdreck»
verkehrt. Toyota löste den Fall pragmatisch: In Frankreich heißt das
Auto MR.
Professionelle Namensfindung überlässt daher nichts dem Zufall.
Längst lebt eine ganze Branche davon, herauszufinden, wie Produkte am
besten heißen könnten. Die Düsseldorfer Agentur Nomen beispielsweise
ist eine der Agenturen, die das für Firmen macht.
Sybille Kircher ist dort geschäftsführende Gesellschafterin. «Im
Zuge der Globalisierung werden immer mehr Produkte international
vermarktet. Im Sinne einer einheitlichen Vermarktung sollte man daher
rechtzeitig auf die juristische und sprachliche Verwendbarkeit der
eigenen Markennamen in allen potenziellen Absatzmärkten achten»,
schreibt sie in einem Fachbeitrag. «Dass sich Produkte trotz einer
negativen Bedeutung verkaufen, ist die Ausnahme, nicht die Regel.»
Schlüsselwörter: neue dann Spanien Porsche Montero Pajero Autonamen
Bild: si / Text: dpa
über Porsches "Macken" können Sie dann auch "meckern" oder fahrt ihn dann nur "Mac Cain". Da kann man halt nichts "maken"







